Aktuelles Rudern

Aktuelles Kanu

Share this post
FaceBook  Twitter  

Letztes Wochenende paddelten Markus Stollnberger und ich im 2er von Vyšší Brod nach Županovice (Tschechien). Ursprünglich war eine viel größere Paddeltour nach Travemünde – an die Ostsee geplant (ca. 1100km) doch leider „mussten“ wir am dritten Tag abbrechen.

 vy brod - 1a

Tag 1 – Freitag 9.7 :

Am Vormittag musste ich noch die letzten Polyesterarbeiten an unserem umgebauten Rennzweier vornehmen, den wir extra mit einem speziellen Aufbau am Vorderschiff versehen haben damit wir auch Wehren und Bootsrutschen besser bewältigen konnten.

Um 12Uhr gings dann endlich los, meine Freundin und ich holten Markus direkt von der Arbeit ab und wir fuhren nach Vyšší Brod wo wir am frühen Nachmittag auch das Boot einsetzten.

Wir waren sehr schwer beladen weil wir Ausrüstung für ca. eine Woche dabei hatten; inklusive Zelt, Schlafsack, Notwerkzeug, Bootswagen etc.

Gleich beim Einsetzen hatten wir auch schon die erste Bewährungsprobe für unser Eigenbauboot – wir setzten direkt unterhalb einer Wehr stromauf (wie gewohnt) ein und wollten uns durch die Strömung  umdrehen lassen, als uns die Strömung packte und ich bis zur Brust im Wasser saß und das ganze hintere Boot umspült wurde und uns das Wasser nur auf die andere eher ruhige Seite der Wehr ausspuckte – allein durch den Oberschiffaufbau der noch aus dem Wasser schaute hatten wir genug Kontrolle über das Boot um nicht gleich zu kentern.

Dann ging es Strom abwärts wo wir uns mit ca. 200 -300 Kanufahrern die Strecke teilten. Viele Campingplätze direkt am Wasser mit der Aufschrift Pivo 20K (80 Cent) und schwimmende Bars sorgten dafür, dass die meisten Kanus sich mehr treiben ließen als zu paddeln bzw. die meisten Personen konnten nicht mehr paddeln so betrunken waren alle.

Leider mussten wir schnell erkennen dass die Moldau sehr wenig Wasser führte und so konnte man fast überall im Wasser stehen, bzw. einige Steine schauten aus dem Wasser (sonst wären auch wahrscheinlich ein paar Kanufahrer ertrunken).

vy brod - 2

Jede Bootsrutsche die wir zu bewältigen hatten sorgte in unserem Rennzweier für einen Adrenalinkick doch leider nahm der Wasserstand stetig ab und schon bald rodelten wir mit unserm Zweier über die ersten Steine. Zweimal war so wenig Wasser, dass wir mitten im Fluss aussteigen mussten und eine kleine Flusswanderung durchführten.

vy brod - 4a

Leider stellte ich auch bald fest, dass wir ständig Wasser im Boot hatten und uns ein kleines Leck geschlagen haben. Dadurch wurde das Paddeln noch anstrengender.

Nach 5 Stunden Paddeln und nur 49 geschafften Kilometern hatten wir dann einen etwas abgelegeneren Campingplatz erreicht, wo wir unser Nachtlager aufschlugen (kurz vor Zlatá Koruna).

Trotz ausführlicher Bootskontrolle konnten wir kein richtiges Leck feststellen (nur ein paar kleinere Blessuren) so dass wir ohne größere Reparatur am nächsten Tag weiterpaddelten. (Ein Fehler wie sich herausstellen sollte).

 

Tag 2 – Samstag 10.7 :

Um 6:00 läutete in unserem Zelt der Wecker und ca. eine halbe Stunde später saßen wir auch schon im Boot und setzten unsere Tour fort. Leider änderte sich der Wasserstand nicht und wir kamen nur sehr sehr langsam voran und schon bald rodelten wir wieder über die nächsten Steine. Wieder hatten wir Wasser im Boot und nur dank der Elektropumpe konnten wir halbwegs weiterpaddeln.

vy brod - 3a

Wir atmeten auf als wir endlich Budweis erreichten und rechneten mit ein bisschen mehr Wassertiefe und vielleicht mit ein bisschen Strömung. Etwas mehr Wassertiefe bekamen wir, auf die Strömung warteten wir vergebens – im Gegenteil sie versiegte mittags dann komplett.

Am Nachmittag erreichten wir dann den 60km langen Orlik-Stausee – ein Badeparadies aber unser mentaler Tod: 60km lang, keine Strömung, kurvig (eine Kurve sah wie die andere aus), generell zu schweres Boot + undicht, und mindestens 35 Grad.

Nach 13 Stunden Paddeln ohne wirkliche Pause und nach nur 117 gepaddelten Kilometern erreichten wir um 20 Uhr den Campingplatz von Orlik, 11km vor der Staumauer. Dort wurden wir nach kurzer Bootsreparatur von Discomusik in den Schlaf gewiegt.

vy brod - 6

Tag 3 – Sonntag 11.7 :

5:40 Tagwache – die Discomusik bumperte noch immer!!! Kurz nach 6:00 waren wir wieder im Boot.

Die Stimmung war nicht besonders gut, da wir den letzten Tag beide noch tief in den Knochen hatten, aber wir lösten das souverän mit Schweigen und hofften, dass heute alles besser würde – dem war leider nicht so!

Nach etwas über einer Stunde und 11 gepaddelten Kilometern erreichten wir dann endlich die heiß ersehnte Staumauer. Ein 60km langer Stausee hat natürlich auch eine gewaltige Staumauer: 70m hoch!!

vy brod - 7

Die eigentliche Ausstiegsstelle war abgesperrt. Das hieß aufs andere Ufer und das Kraftwerk über eine daneben verlaufende Straße überqueren – ein über 2km langer Fußmarsch folgte.

vy brod - 5

Nun waren wir bereits etwas über zwei Stunden unterwegs und hatten noch immer erst 11km geschafft.

Unterhalb der Staumauer das nächste Übel: was in den Kajakführern als flotte Strömung beschrieben wurde, entpuppte sich als nächster Stausee - 9km – diese Strecke überwunden wir auch mit der Hoffnung danach etwas flotter voran zu kommen. Aber auch hier wurden wir enttäuscht – nach den neun Kilometern und einer weiteren Mini-Reparatur mit Klebeband – weil das Boot noch immer nicht dicht war – standen wir vor einem 40km langen Stausee. – Die Stimmung war am Tiefpunkt.

Nach 6 Stunden Paddeln und nur 35 geschafften Kilometern mussten wir einsehen, dass unsere ganze Tour zum Scheitern verurteilt war. Wir ankerten auf einem Badeplatz mit dahinter liegendem Restaurant und schlugen uns die Bäuche voll und warteten bis uns meine Freundin mit dem Auto abholen würde.

Glück im Unglück: Als wir am Badeplatz unser Gepäck aus dem Boot nahmen entdeckten wir, dass Markus´s Sitz bereits herausgebrochen war und nur mehr am letzten Rest seiner Verankerung hing, und mein Bootsack ein Loch hatte wodurch mein ganzes Zeug nass war. Nun waren wir erst recht froh die Tour abgebrochen zu haben, und zuhause angekommen mussten wir noch sieben Löcher zu polyestern!!!

 

Danke nochmals an Markus für die Organisation und an meine Freundin, die den Shuttledienst übernahm.